„Was machen wir hier eigentlich? – Und wofür ist das gut?“
Ein Überblick zu den Rollen der Beteiligten.

Anja Brendel

Neben der neugierig-interessierten Frage
         „Was machen Sie denn da?“
ist es oftmals die sich unmittelbar anschließende Erkundigung
         „Und wofür ist das gut?“,
         „Wofür braucht man das?“,
         „Was hat man denn davon?“,
die uns EthnologInnen den Schweiß auf die Stirn treibt. Sie fordert uns zumindest immer wieder heraus: Was studieren wir eigentlich?

Die Frage nach dem Nutzen der Ethnologie lässt sich entweder in kurzen Floskeln abtun oder aber in Grundsatzdebatten über Ziele und Ethik, Wissenschaft im Allgemeinen und den Wert der Ethnologie im Besonderen ausdehnen. Beides wollen wir hier vermeiden und uns der schwierigen Frage stellen: Was hat man davon? Was haben die Projektwochen uns und unseren ProjektteilnehmerInnen gebracht?

Fangen wir damit an, dass wir voller Ideen und Ideale in ein Forschungsprojekt gestartet sind, das nicht nur von uns, sondern maßgeblich von einer Gruppe professionell arbeitender KunstpädagogInnen mitgestaltet wurde. Das haben wir als großen Vorteil betrachtet und uns ausgemalt, wie groß der Mehrwert von kreativ-künstlerischen Inputs, neuen Ansätzen und der umfangreichen Erfahrung der KünstlerInnen wäre. Diesen Zugewinn haben wir im Laufe der Zeit im Rahmen der Möglichkeiten auch ausgeschöpft und unsere Arbeit so bereichert. Dass allerdings auch Schwierigkeiten entstehen können, wenn so unterschiedliche Vorstellungen wie jene von EthnologInnen ohne Projekterfahrung mit denen von freischaffenden KünstlerInnen, die von solcher Projektarbeit leben, aufeinander treffen, hatten wir uns nicht so deutlich ausgemalt. Viele Beispiele und betroffene Bereiche  werden hier in zahlreichen Texten angesprochen und analysiert. Deshalb nur so viel: Nach einigen Frustrationen, Neuverhandlungen und so mancher Anpassung auf beiden Seiten haben wir letztendlich viel hinzugelernt, was die Arbeit in Teams angeht und die Notwendigkeit, schnell, unvoreingenommen und kooperationsbereit an Problemen zu arbeiten. Nobody's perfect – das müssen EthnologInnen genauso schmerzhaft lernen wie jeder andere auch.

Bei unserer Arbeit in gemischten Teams aus SchülerInnen, EthnologInnen und KünstlerInnen haben wir uns auch besonders große Mühe gegeben, den beteiligten KünstlerInnen auch den Blick auf unsere Sichtweise zu eröffnen. Das, was selbstverständlich scheint, versuchten wir in Frage zu stellen und wurden nicht müde, immer wieder nach einem „warum“ zu fragen. Zugegeben, es ist uns keineswegs immer leicht gefallen, Aufgaben zu stellen ohne dabei schon genau vorzugeben, was zu tun ist. Wir wollten zwar keine Lehrer sein, doch ab und zu zügiger voran kommen und Ergebnisse produzieren, das wollten wir schon. Auch die Zeit für Feldnotizen war immer knapp.

Was liegt da näher, als die SchülerInnen einfach mal mit einem Arbeitsauftrag zu beschäftigen und die Zeit selbst sinnvoll zu nutzen?

Nun, die Möglichkeit des persönlichen Gesprächs zum Beispiel, das im schulischen Rahmen durchaus schwierig umzusetzen ist und auch noch viel Kraft, Zeit und Muße von uns erfordert.

Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt und sie immer wieder kritisch betrachtet. Im Seminar wurden solche Situationen dann oft erörtert und nach möglichen Lösungen gesucht. Diese Angewohnheit, nämlich die eigenen Methoden immer wieder zu reflektieren, haben wir auch an die KünstlerInnen vermittelt, verbunden mit der Hoffnung, dort auch einen solchen Prozess anstoßen zu können. Es wird sich zeigen, inwiefern das geklappt hat.

Dann wären da noch die SchülerInnen – unsere Protagonisten. Sie sind es natürlich, die am meisten profitieren sollten von den Sieben Felder Projektwochen, in denen sie immerhin auf den regulären Unterricht wie auch auf Praktikumsvorbereitung etc. verzichten mussten.
Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass alle Kids mit den gleichen Voraussetzungen in die Projekte gekommen sind. Ebenso verhält es sich mit dem Nutzen, den sie daraus ziehen können – er variiert von einem zum anderen.
Mit Sicherheit kann man aber sagen, dass viele der Schüler für sich „neue Welten“ erkundet haben. Sie sind nach draußen gegangen und haben mit anderen Augen ihr Umfeld betrachtet als sonst. Viele haben sich auf den Weg gemacht zu Orten, an denen sie noch nie zuvor gewesen sind. Andere haben sich neugierig zu Plätzen begeben, die sie 'in-und-auswendig' kannten, um dann dort zu forschen und im Vertrauten ganz neues zu entdecken. Schließlich haben alle den Schritt gewagt, sich gemeinsam zu überlegen, was man der Welt wohl über diesen Forschungsprozess sagen und zeigen könnte.
Das kann gerade an einem so beeindruckenden und fremden Ort wie dem Haus der Kulturen der Welt schwierig sein, denn viele Fragen sind offen: Wer wird wohl kommen, um eine Ausstellung von Berliner SchülerInnen und ihrer Projektarbeit anzusehen? Was werden die Besucher erwarten? Und wie werden sie das alles finden, was sie zu sehen und zu hören bekommen?
Über diese Fragen freuen sich die EthnologInnen nun umso mehr. Die SchülerInnen machen sich Gedanken und stellen Fragen, sie nehmen nicht alles hin. Damit haben uns die Kids bewiesen, dass die Arbeit auch ihnen etwas gebracht hat. Sie haben das Projekt gemeistert. In unserer gemeinsamen Zeit haben sie vieles über sich selbst und über andere erfahren, über das Forschen im Allgemeinen und die ethnologischen Methoden im Speziellen. Nicht zuletzt haben sie angefangen, auch uns in Frage zu stellen, gerne auch mit der allgegenwärtigen Sinnfrage „...und warum das alles?“.