Der ethnologische Blick

Die Ethnologie ist neugierig: Auf die Menschen hier und anderswo und ihren Alltag. Sie will wissen, wie wir leben: als Einzelne wie in der Familie, mit Freunden und Fremden, in unseren wie in anderen Gesellschaften, in Europa wie in anderen Kontinenten. Sie fragt, wie Menschen ihr Zusammenleben organisieren, welche Beziehungen sie mit unterschiedlichen Umgebungen eingehen und welches Bild sie von diesen Beziehungen haben: von Nachbarn, Kiezbewohnern, Arbeitskollegen. Solche scheinbar so einfachen Fragen nach der Alltagskultur stehen im Vordergrund des Interesses.

Wir EthnologenInnen versuchen also, andere Menschen und Gemeinschaften kennenzulernen und sie zu verstehen. Daher ist „teilnehmende Beobachtung“ eine der wichtigsten Forschungsmethoden. Diese Teilnahme am und Beobachtung im Alltag Anderer wird durch weitere Methoden und Hilfsmittel ergänzt, z.B. Feldtagebücher und Interviews, Foto- und Videokameras, Wahrnehmungsspaziergänge und „Mental Maps“ gehören ebenso dazu. Neben dem Teilnehmen und Beobachten sind also auch Zuhören und Nachfragen wichtig sowie Bilder Knipsen und Bilder Machen. Erst dadurch entsteht enger Kontakt zu- und untereinander. Und das Verstehen der Anderen.

Uns geht es also weniger um Zahlen und Statistiken. Ethnologische Forschung möchte vielmehr dem Subjektiven Raum geben, den individuellen Erfahrungen und Wahrnehmungen der Menschen: ihren persönlichen Merkmalen, Eigenarten und Routinen. Statistische Durchschnittswerte können Gesellschaft und Kultur in unserem Sinne nun einmal schlechter beschreiben und wiedergeben, als dies individuelle und charakteristische Bilder und Porträts menschlichen Handelns tun.