Wer mit wem? – Interaktionen bei der Projektarbeit

Rhiannon Schmitt

KünstlerInnen, StudentInnen der Europäischen Ethnologie und SchülerInnen. Dies sind drei Gruppen, die erst einmal nicht viel miteinander zu tun haben. Doch im Sieben Felder Projekt arbeiteten sie alle zusammen. Dies war die außergewöhnliche Kernidee. Interaktionen fanden dabei auf fast allen Ebenen statt: Austausch von Meinungen, gemeinsames Arbeiten, Austesten von Situationen, aber eben auch Kritik und Unzufriedenheit.

KünstlerInnen und StudentInnen

Die KünstlerInnen nahmen häufig die leitende Position ein, traten tonangebend auf, erteilten Anweisungen, gaben Aufgaben, forderten Ruhe ein. Vermutlich passierte das, weil sie sich stark für den Ablauf und den Erfolg des Projektes verantwortlich fühlten und auch Routine in der Projektarbeit besitzen. Dadurch entstand manchmal eine „schulische“ Atmosphäre, in der die Projektarbeit nicht frei war, sondern permanent unter Zeit- und Produktionsdruck stand. Die StudentInnen hingegen wollten nicht dominant, sondern eher freundschaftlich auftreten und sowohl Themen als auch Vorgehen langsam im Gespräch entwickeln. In den Augen der KünstlerInnen drohten daraus jedoch Zeitprobleme zu entstehen und zu beliebige, zu „unkulturelle“ Themen zu ergeben.

Die Interaktion zwischen KünstlerInnen und StudentInnen führte bei einigen der StudentInnen zu dem Gefühl, eine für alle Themen offene ethnologische Perspektive werde unterbunden und man sei nicht gleichberechtigt, sondern werde – im Extremfall – als „Hilfsarbeiter“ behandelt. Im Verlauf des Projekts forderten die StudentInnen jedoch mehr Raum für ihr Vorgehen und ihre Perspektive sowie weniger künstlerische Einmischung in bestimmten Projektphasen, was für die Künstler nicht immer leicht zu akzeptieren war.

SchülerInnen, KünstlerInnen und StudentInnen

Auch wenn die SchülerInnen nicht aktiver Teil dieser Interaktion zwischen KünstlerInnen und StudentInnen waren, für den Ablauf des Gesamtprojektes waren sie selbstverständlich der ausschlaggebende Faktor. Vor jeder neuen Projektwoche war meine Neugier auf die SchülerInnen groß: Wie würden sie sein? Wie würde die Arbeit mit ihnen am Montag laufen, wie am Donnerstag? Würden sie sich für das Projekt begeistern können und mitarbeiten? Im Rückblick habe ich den Eindruck, dass die SchülerInnen Spaß an den Projektwochen hatten, zumindest auf ein „viel besser als Schule“ konnten sich wohl alle einigen. Dennoch sind natürlich Nachfragen, „was das Alles solle“ oder Bemängelungen, dass es langweilig sei, nicht ausgeblieben. Einige sahen das Projekt durchaus auch als Chance für sich: „Endlich hört mal jemand zu, was wir wollen und was uns interessiert“.

Die SchülerInnen schienen eine sehr genaue Wahrnehmung davon zu haben, wie ihnen begegnet wurde und dementsprechend fielen zumeist auch Gegenreaktion und Interaktion aus. So wurden auf die genervte Aufforderung „Nicht reden, jetzt macht doch mal. Wir haben nicht viel Zeit!“ zumeist nur die Augen verdreht, eine wirkliche Produktionssteigerung konnte ich jedoch nicht bemerken.

Dieses Austesten von Grenzen war ein Vorgang, der immer wieder, sowohl gegenüber den KünstlerInnen als auch den StudentInnen, stattfand. So fragte beispielsweise ein 17-jähriger Schüler beim Wahrnehmungsspaziergang außerhalb der Schule, als er sich bereits eine Zigarette angesteckt hatte, „Oh, oder stört euch das jetzt, wenn ich rauche?“. Innerhalb der Schülergruppen war sowohl Gruppensolidarität als auch Kritik an anderen SchülerInnen zu beobachten, beispielsweise wenn SchülerInnen für Ruhe in der Gruppenrunde sorgten. Die Interaktion mit den SchülerInnen konnte jedoch sehr unterschiedlich ablaufen, abhängig vom Fortschreiten der Projektwoche, der Tagesform, Pausennähe oder vielem anderen mehr.

Entscheidend scheint mir im Rückblick, ob es uns gelang, in Kontakt zu treten und den Rahmen für einen Austausch zu schaffen.